Ratgeber für Hunde

Der Einzug ins neue Zuhause – Die ersten Tage

Allen, die sich entschieden haben, einem Tierheimhund ein neues Zuhause zu geben, herzlichen Dank für das Engagement und das gewisse Maß an Risikobereitschaft, denn man weiß ja nie genau, was das neue Familienmitglied so alles an Herausforderungen mit sich bringt. Die ersten Tage im neuen Heim sind entscheidend für Mensch und Hund und zeigen, ob man zusammen passt. Nachstehend ein kleiner Leitfaden für die Kennenlernphase:

Die ersten Tage in der neuen Umgebung

Der Umzug in das neue Zuhause ist für den Hund sehr aufregend, denn er kennt sich noch nicht aus. So kann es passieren, dass Hunde sehr nervös sind und bei jedem Geräusch aufspringen und jede Bewegung des Menschen mitmachen. Manche Hunde sind so verunsichert, dass sie versuchen, dies durch Kauen und Nagen an verschiedenen Gegenständen zu kompensieren. Hier empfiehlt es sich, die Hunde für die Ein-gewöhnungsphase so unterzubringen, dass sie keinen Zugriff auf kostbares Mobiliar haben. Viele Hunde haben in den ersten Tagen auch ein enormes Bedürfnis an Ruhe und schlafen so viel, dass man meinen könnte, es gäbe einen Preis dafür zu gewinnen. All die vorgenannten Verhaltensweisen sind für die ersten Tage durchaus normal und verschwinden in der Regel nach ein paar Tagen von alleine.

Es empfiehlt sich, den Hund in den ersten Tagen nicht mit zu vielen neuen Reizen zu überfordern. Bitte veranstalten Sie keine Kennenlernpartys für den Hund, er wird dies vermutlich gruselig finden. Grundsätzlich sollten Sie Ihren ganz normalen Tagesablauf beibehalten, denn daran sollte sich Ihr Hund so schnell wie möglich gewöhnen.

Zeigen Sie Ihrem Hund seinen Platz, der idealerweise etwas abseits vom allgemeinen Trubel gelegen ist und wo Ihr Hund zur Ruhe kommen kann.

Geben Sie Ihrem Hund die Möglichkeit, auch aus eigenem Antrieb zu Ihnen Kontakt aufzunehmen. Das heißt, stellen Sie Ihren Hund nicht anhaltend in den Mittelpunkt Ihres Interesses, auch wenn dies gerade am Anfang sehr schwer fällt.

Ihr Hund muss auch nicht gleich am Anfang das ganze Anwesen zur Verfügung gestellt bekommen. Das eine oder andere Zimmer als Tabuzone ist immer sinnvoll.

Die wenigsten Hunde werden gleich in den ersten Tagen spielen wollen, dafür sind sie noch zu aufgeregt. Lassen Sie es langsam angehen. Ihr Hund ist zu Beginn ausreichend damit beschäftigt, sein neues Lebensumfeld kennenzulernen.

Desöfteren kommt es vor, dass Hunde umzugs- und aufregungsbedingt oder auch durch die Futterumstellung in den ersten Tagen leichten Durchfall haben. Sollte sich das Problem nicht nach ein paar Tagen geben, suchen Sie bitte einen Tierarzt auf.

Die Regeln des Zusammenlebens

Wenn die erste Phase des Kennenlernens vorüber, ihr Hund aufgetaut und sozial sicherer geworden ist, kann es gut sein (muss aber nicht), dass er auch unerwünschtes Verhalten zeigt. Dies wäre ein völlig normaler Versuch von Seiten des Hundes, seine Privilegien zu erweitern. Hier empfiehlt es sich dringend, gleich zu Beginn die Regeln verbindlich festzulegen. Sie müssen unerwünschtes Verhalten Ihres Hundes nicht dulden. Hundeunerfahrene Menschen sind gut beraten, sich in solchen Fällen an eine kompetente Hundeschule zu wenden.

Unerwünschtes Verhalten ist u.a.:

  • Verteidigung von Ressourcen wie Futter, Liegeplatz (Couch, Sessel) und Spielzeug.
  • Besucher anzuknurren
  • Sachbeschädigung
  • Katzen jagen
  • Stalken (den Menschen für keine Minute aus dem Auge lassen und überall mitgehen)
  • nicht alleine bleiben wollen
  • sehr fordernd zu sein und nicht zur Ruhe zu kommen
  • Leinenpöbelei

Machen Sie Ihrem Hund gleich von Anfang an klar, was erlaubt ist und was nicht. Diese Klarheit hilft dem Hund sich zu orientieren und macht ihn sicher im Umgang mit Ihnen und seiner neuen Umwelt. Die Unterbrechung von unerwünschtem Verhalten sollte immer angemessen an Hund und Verhaltensweise erfolgen. Wut und Ärger sind keine guten Erziehungsratgeber.

Hunde und Kinder

Hunde und kleine Kinder sind grundsätzlich nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Auch wenn sie Ihren Hund wirklich gut kennen, könnte eine durchaus verständliche hundliche Reaktion auf Kinderverhalten schwerwiegende Konsequenzen haben.

Dennoch ist es unerlässlich auch Kindern zu vermitteln, dass Hunde nicht in allen Situationen Spielkameraden sind und ihre Rückzugszonen geachtet werden müssen.

Ihre Kinder sollten daher

  • keine fremden Hunde anfassen
  • Ihren Hund nicht in seinem Körbchen stören
  • Ihren Hund nicht beim Fressen stören
  • Ihren Hund nicht grob anfassen

Für Ihren Hund gilt jedoch auf der anderen Seite uneingeschränkt, dass er keine Kinder bedrohen darf, sondern sich dann lieber einen neuen Platz zu suchen hat. Hier gibt es keine Kulanz! Sollte Ihr Hund in dieser Beziehung unerwünschtes Verhalten zeigen, dann sprechen Sie bitte mit einem kompetenten Hundetrainer.

Ernährung

Hunde leben seit 15.000 Jahren von den Resten menschlicher Zivilisation, sprich von Abfällen. Sie sind in der Regel sehr unempfindlich was ihren Speiseplan angeht und fressen fast alles. Leider gibt es durch züchterische Einseitigkeit auch zunehmend Hunde, die an Futterallergien leiden. Wie wir Menschen lieben auch Hunde Abwechslung im Wochenmenü. Es bleibt jedem Hundehalter selbst überlassen, herauszufinden, was sein Hund gerne frisst und was er gut verträgt. Wichtig ist, dass die Hunde nicht zu dick gefüttert werden. Denn jedes Pfund mehr auf den Rippen des Hundes bedeutet eine gesundheitliche Einschränkung. Achten Sie darauf, dass Ihr Hund ein glänzendes Fell hat, agil ist und bleibt und seine Zähne gesund sind. Hunde sind Carnivoren, das heißt Fleischfresser. Geben Sie Ihrem Hund bitte auch mal ab und zu einen Kauknochen zu kauen. Dies ist für die meisten Hunde wie ein Lottogewinn, ist gut für das Zahnwerk und beschäftigt Ihren Hund auch noch angemessen.

Sollte Ihr Hund unter Durchfall und Erbrechen leiden, dann setzen Sie ihn bitte auf Diät. Hunde können ohne Probleme auch mal einen Tag ohne Futter auskommen. Sollte der Durchfall oder das Erbrechen nach einem Tag nicht vorbei sein, oder an Heftigkeit zunehmen und mit einer allgemeinen Verschlechterung des Gesamtzustandes des Hundes einhergehen, dann suchen Sie bitte einen Tierarzt auf.

Artgerechtes Verhalten

Nachfolgend aufgeführtes Verhalten Ihres Hundes ist artgerecht und sollte ihrem Hund auch ab und an gestattet sein:

  • mal ein Loch buddeln zu dürfen
  • Mäuse oder Eichhörnchen zu jagen
  • sich zu wälzen, auch wenn es nicht immer lecker riecht
  • sich schmutzig zu machen
  • Futter zu klauen, wenn es sich anbietet
  • bei intakten Rüden: zu leiden, wenn eine läufige Hündin in der Nähe wohnt
  • zu rennen und mit anderen Hunden Kontakt zu haben
  • zu bellen

Erziehung und Beziehung

Hunde sind Familienmitglieder und leben in einer sozialen Beziehung mit ihren Menschen. Hunde sind jedoch keine Demokraten, die auf Augenhöhe mit uns Entscheidungen fällen und umsetzen. Hunde brauchen also Führung. Menschen, die souverän und wohlwollend die Regeln des Zusammenlebens vermitteln. Dies ist Erziehung: die Förderung und Etablierung erwünschten sozialen Verhaltens. Gut erzogene Hunde erfreuen uns Menschen und müssen nie mehr zurück ins Tierheim. Dies ist die Aufgabe und die Verantwortung des Menschen. Unterstützung bei Erziehungsfragen gibt es auch bei uns im Tierheim.

Die vorgenannten Tipps erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jedes Mensch-Hund-Team ist unterschiedlich und deshalb sind es auch die Erziehungsstrategien, die Regeln des Zusammenlebens und die Entwicklung des Hundes.

Wir wünschen allen viel Freude am gegenseitigen Kennenlernen und gutes Gelingen beim Zusammenwachsen.